Wann machen Unternehmensberater Sinn?

zuletzt aktualisiert: 9.7.2020 - - - - - zurück zur Themenauswahl -------> Link zurück zur Themenauswahl

Das Erste, was mir dazu einfällt, sind Tagessätze von oftmals deutlich mehr als 5000 € pro Berater und Tag (Stand 2010). Zumindest war das nicht unüblich, wenn es sich um einige der bekanntesten Unternehmensberatungen handelte. Diese werden häufig direkt vom Aufsichtsrat, dem Vorstand bzw. Geschäftsführung engagiert, mit dem Ziel, die Unternehmensergebnisse signifikant zu steigern. Die hohen „Gagen“ werden u.a. damit begründet, dass sie ja noch vergleichsweise moderat sind, wenn man die kurzen Payback Zeiten des Investments bedenkt, die sich durch die angestrebten Ergebnisverbesserungen ergeben sollen. Ein profanes Beispiel dazu: Dem Unternehmen, das „in Saus und Braus“ lebt, die Empfehlung geben, jeden Tag 100 Euro zu sparen. Das seien mindestens 30.000 Euro Honorar wert, denn wenn diese Empfehlung umgesetzt wird, hat sie sich ja schon in weniger als einem Jahr amortisiert. Die Honorar Kosten sind sogar vernachlässigbar, bedenkt man die Einsparungen nach 10 Jahren. Wenn auch vielleicht etwas überzogen ist das die Logik, die hinter teurem Beratereinsatz steckt.

Eine harte Kopplung der Vergütung an den erzielten Erfolg wird allerdings versucht zu vermeiden. Stattdessen wird eine Basisvergütung angestrebt sowie ein zusätzlicher Bonus bei Erreichung von Zielen. Es gibt aber auch gute Berater mit weitaus moderateren Tagessätzen. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um Spezialisten, die sich auf ausgewählte Methoden, Spezialgebiete konzentriert haben.

Ich möchte von vorneherein bekennen, dass ich Berater sehr skeptisch sehe. Das mag erklären, warum die Beiträge hier überwiegend gegen Berater sprechen. Warum sehe ich das so?

Wann kann es durchaus sinnvoll sein, Berater einzuschalten:

Zukauf von speziellem Wissen, um die eigene Mannschaft auszubilden, bis diese selbständig weiterarbeiten kann, oder um vorübergehende Engpässe an benötigter Kompetenz zu überbrücken, z.B.:

Also immer dann, wenn der Berater über spezielle Expertise / ein ausgereiftes „Beratungs-Produkt“ verfügt, das bei mehreren Kunden entwickelt und erprobt wurde. Wichtig: es müssen vertrauenswürdige gute Referenzen vorliegen.

Weitere Gründe für einen sinnvollen Beratereinsatz:

Es gibt allerdings auch bei solchen sinnvollen Einsätzen Gefahren zu beachten:

Wie als „Betroffener“ mit Beratern umgehen?

Auf jeden Fall das Thema erst einmal positiv angehen. Vielleicht ist ja etwas Gutes am Beratereinsatz, nach dem Grundsatz: „Man muss sich mein Misstrauen erst verdienen.“ Auch hierbei ist offene Kommunikation entscheidend, um die Zusammenarbeit mit dem Berater positiv zu gestalten. Volle Transparenz nach oben und unten. Das verhindert gleichzeitig, dass Schwache Berater sich mit geschickter Kommunikation halten können. Gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat hilft, gute Ergebnisse zu erzielen beziehungsweise sich gegen Schwachstellen durchzusetzen, vorausgesetzt, man ist nicht selbst so eine Schwachstelle.

Was ist wichtig zu beachten, wenn ich selbst die Berater geholt habe? Auf keinen Fall den breiten Kontakt zur „Basis“ verlieren, um zu vermeiden, einseitig nur durch die Berater informiert zu sein. Das ist zwar anstrengend, aber unerlässlich. Also wieder Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation…

Vorsicht, wenn sich Berater hinter Phrasen / Berater - Anglizismen verstecken. Bei uns war in Meetings mit Beratern das „Bull Shit Bingo“ beliebt: Wer zuerst in einer Reihe alle Fachausdrücke ankreuzen konnte, hatte „Bingo“. Das macht deswegen Spaß, weil es in die Kategorie passt: „Dummheit, die man bei anderen sieht, ist meist erhebend fürs Gemüt“ Wilhelm Busch